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Günter

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Mittwoch, 21. Juli 2021, 16:14

Deutschlandfunk: Medienholding ddvg - Auflage machen für die SPD

Zitat

Deutschlandfunk:
Medienholding ddvg
Auflage machen für die SPD

30.01.2019

Die SPD ist nicht nur eine politische Partei, sondern auch als Zeitungsverlegerin aktiv. Über die „Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft“ (ddvg) ist sie vor allem an zahlreichen Regionalzeitungen beteiligt. Um parteiische Berichte geht es der SPD dabei aber längst nicht mehr.

Von Christoph Sterz

Neben der Zeitschrift „Öko-Test“, die aktuell wegen gefälschter Auflagenzahlen in der Kritik steht, konzentriert sich die „Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft“ vor allem auf regionale Tageszeitungen. Zum Beispiel gehört die „Neue Westfälische“ mit Sitz in Bielefeld komplett zur ddvg. Zu etwa einem Drittel ist die SPD-Medienholding außerdem an den „Cuxhavener Nachrichten“, der „Niederelbe-Zeitung“, der „Frankenpost“ und der „Sächsischen Zeitung“ beteiligt.

Besonders wichtig ist auch die Beteiligung am Medienkonzern Madsack, zu dem zahlreiche Lokalzeitungen wie die „Hannoversche Allgemeine“, die „Leipziger Volkszeitung“ oder die „Kieler Nachrichten“ gehören.

Achtgrößter Zeitungsverleger in Deutschland
Nach Berechnungen des Zeitungsforschers Horst Röper machen die Beteiligungen der ddvg eine verkaufte Gesamtauflage von 480.000 Tageszeitungen aus. Demzufolge ist die ddvg der achtgrößte Zeitungsverleger in Deutschland. Nach Ansicht von Röper geht es der SPD dabei inzwischen nicht mehr um politische Einflussnahme: „Früher gab es mal Vorbehalte bei der Besetzung von Chefredaktionen. Das ist aber alles vorbei. Heute geht es nur ums Geld“, sagte Röper im Gespräch mit @mediasres.

Medienholding ddvg - Auflage machen für die SPD (deutschlandfunk.de)


Wenn das Ferdinand Lassalle gewusst hätte, was aus seiner SPD einst werden würde?
Liebe Grüße :)

 

Günter

 


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2

Mittwoch, 21. Juli 2021, 21:27

Ach, wie sozial Elbvertiefungs-Olaf und seine Partei doch sind ...

Das Ganze ist weniger als 10 Jahre her! Unsere SPD ist doch auch für gute Löhne oder?

Konkret sieht es dann so aus: Jetzt die SPD- und Gewerkschaftler-Mütze absetzen und die Arbeitgeber-Hüte aufsetzen!

"Im KSC waren die meisten Mitarbeiter nur befristet eingestellt, fast alle erhielten nur Teilzeitarbeitsverträge, das Gros wurde mit Stundenlöhnen zwischen 8,50 Euro und 9,20 Euro abgespeist, Schülerhaushilfen mit 6,50 Euro."

Ach, Ihr liebe sozialdemokratische SPD!

Bravo SPD - ach, Ihr seid ja so sozial - richtig, das rührt ja richtig zu Tränen! Oha! Wirklich?

Die ganze Geschichte ist wohl rund sieben Jahre her:

Zitat

Erst Streik, dann Massenentlassungen. Als der Medienkonzern Madsack am 30. September 2014 sein Kundenservicecenter (KSC) in Hannover schloss und allen 87 Beschäftigten kündigte, war dies »die zynische Machtdemonstration eines Konzerns, der seine Gewinnmargen durch Tarifflucht und Niedriglöhne sichern will«, empört sich ver.di-Vize Frank Werneke. Die Massenkündigungen beendeten einen wenig beachteten Arbeitskampf einer kleinen Belegschaft, den längsten Streik in der deutschen Zeitungsgeschichte. Sie setzten den brutalen Schlusspunkt hinter einen über 17 Monate mit insgesamt 117 Streiktagen geführten Kampf um einen Haustarifvertrag für die KSC-Beschäftigten.

Sie waren das Ende des Ringens in einer outgesourcten Billiglohnfirma, die der Madsack-Konzern noch vor zwei Jahren zum führenden deutschen Servicecenter der Zeitungsbranche hatte ausbauen wollen – selbstverständlich ohne Tarifbindung. Und es war ein Lehrstück über die Schwierigkeiten des gewerkschaftlichen Kampfes in einer Branche, die vom Medienkapital mit zunehmender sozialer Rücksichtlosigkeit neu strukturiert wird.

So hatte Madsack im Jahr 2000 die telefonische Kundenbetreuung aus dem Mutterhaus, der Verlagsgesellschaft Madsack, in die tariflose Tochter KSC ausgegliedert. 13 Jahre lang gab es dort keine Lohnerhöhung – ein Kaufkraftverlust von mehr als 30 Prozent für die KSC-Beschäftigten. Im KSC waren die meisten Mitarbeiter nur befristet eingestellt, fast alle erhielten nur Teilzeitarbeitsverträge, das Gros wurde mit Stundenlöhnen zwischen 8,50 Euro und 9,20 Euro abgespeist, Schülerhaushilfen mit 6,50 Euro. »Die Arbeiten, die wir zu erledigen haben, wurden vor der Ausgliederung von tarifgebundenen Verlagsangestellten geleistet«, erläuterte ein Mitglied der KSC-Streikleitung. Wäre das noch immer so gewesen, hätten die KSC-Beschäftigten 16,50 Euro pro Stunde verdient – dabei sind auch die Tariflöhne nur unterhalb des verteilungsneutralen Spielraums erhöht worden.

»Einer der mächtigsten Medienkonzerne Deutschlands exekutiert an seinen Beschäftigten eine frühkapitalistische Ausbeutungsstrategie«, analysierte Lutz Kokemüller, Medienfachbereichsleiter von ver.di Niedersachsen, das Verhalten der Madsack-Führung in den Niedriglohnbereichen des Konzerns. Der ist eine publizistische Großmacht mit lokalen und regionalen Zeitungsmonopolen in Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. 18 Tageszeitungen und 37 Anzeigenblätter, private Postfirmen, Fernsehdienstleister, Logistikfirmen, Internetportale und Rundfunkbeteiligungen gehören Madsack. Die DDVG, die Presseholding der SPD, ist mit rund 23 Prozent der größte Anteilseigner an der Verlagsgesellschaft Madsack in Hannover, die den Konzern dirigiert.

Totale Unterwerfung
Die Steigerung des Profits sei für die Konzernmanager um Madsack-Geschäftsführer Thomas Düffert »die einzige Leitlinie«, meint Kokemüller. Düffert, der intern gut angelsächsisch-militärisch als »Chief Executive Officer« (CEO) firmiert und sich in seinen Emails an die Belegschaft als »Kollege« vorstellt, habe von den KSC-Beschäftigten nicht weniger als »die totale Unterwerfung unter seine Niedriglohn-Strategie« gefordert.

Dazu waren diese nicht bereit. Still und leise hatten sich rund 50 Prozent der KSC-Beschäftigten im Frühjahr 2013 organisiert und auf Forderungen für einen Tarifvertrag mit höheren Löhnen verständigt. Die überraschte KSC-Führung versuchte die Unruhe mit individuellen Lohnzuschlägen für einige Mitarbeiter in den Griff zu bekommen, lehnte Gespräche mit ver.di und einen Tarifvertrag aber kategorisch ab. Dagegen zog eine Minderheit von knapp einem Drittel der Beschäftigten in den Streik – der Rest blieb aus Angst um den Arbeitsplatz passiv, einige wetterten zusammen mit dem Arbeitgeber gegen ver.di.

In den ersten Streiktagen gelang es, die Arbeit im KSC durcheinander zu bringen. Doch bald hatte die Firmenleitung Streikbrucharbeiten quer durch den Konzern und quer durch die Republik organisiert. Außerhalb gewerkschaftlicher und linker Medien fand der ungleiche Kampf David gegen Goliath so gut wie keine Beachtung. In allen Madsack-Publikationen wurde der Streik totgeschwiegen.

Doch mit bewundernswerter Moral zogen die immer selbstbewusster und illusionsloser werdenden Streikenden einen Tag um den anderen durch Hannover, machten besonders bei Madsack-Veranstaltungen auf ihr Anliegen aufmerksam, prangerten die Billiglohn-Praxis im Konzern an – und erfuhren mit Protestbriefen und -mails viel Solidarität. Eine unbekannte Zahl von Abonnenten kündigte ihr HAZ-Abonnement wegen der unsozialen »Kostensenkung auf dem Rücken der Beschäftigten«, wie ein Leser schrieb; mehrere tausend Euro Spenden gingen auf einem Soli-Konto ein. So konnten die wegen der Niedriglöhne im KSC magere ver.di-Streikgeldunterstützung aufgebessert und wirtschaftliche Notlagen der Aktivisten gelindert werden.

Auch auf die SPD und deren Madsack-Anteilseigner DDVG versuchten die Streikenden argumentativ Druck auszuüben – ernteten aber von der DDVG-Geschäftsführung im Auftrag der damaligen SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks nur nette Worte (»Wir können nachvollziehen, wie die lange Zeitspanne ohne eine Gehaltsanpassung auf sie gewirkt hat«) und die Belehrung, dass eine zehnprozentige Umsatzrendite nicht überzogen, sondern »sehr gut ableitbar« sei.

»Vertreibung aus dem Paradies« – Die aktuelle Situation der Medienbranche » LabourNet Germany

Also, SPD, erstmal den eigenen Stall ausmisten, bevor Ihr eine große Lippe riskiert!
Liebe Grüße :)

 

Günter