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Samstag, 22. Juni 2019, 08:21

Bibel und Evolutionstheorie – Geht das zusammen?

Liebe Grüße :)

 

Günter

 


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Montag, 24. Juni 2019, 22:16

RE: Bibel und Evolutionstheorie – Geht das zusammen?

Wen interessiert's, was religiöse Fundamentalisten glauben?

Die eine Seite ist Wissenschaft, die andere Glaube. Die Wissenschaft versucht gar nicht, irgendwelche Aussagen über einen Gott machen. Dementsprechend sollte sich der Glaube bei der Frage raushalten, wie die Wissenschaft die Entstehung der Welt und des Lebens zu erklären versucht.

Es gibt seit 3,7 Milliarden Jahren einzelliges Leben auf der Erde. Ob es hier oder anderswo entstanden ist und dann auf Kometen oder Asteroiden auf die Erde gekommen ist, wissen wir noch nicht, aber entsprechende Erkenntnisse über die auf Kometen vorhandenen Moleküle lassen durchaus darauf schließen, dass das Leben überall dort entsteht (und sich ausbreitet), wo die entsprechenden Bedingungen gegeben sind.

Und diese Bedingungen müssen aus unserer Perspektive gar nicht einmal so besonders sein, eine flüssige Umgebung reicht eigentlich aus. Es gibt extremophile Bakterien zuhauf auf der Erde bzw unter Wasser, und der Tag ist nicht mehr fern, an dem Menschen bzw ihre Roboter auf dem Jupitermond Europa nachschauen werden, ob es in dem Ozean, der sich unter Europas Oberfläche befindet, Leben gibt. Die Ballons, die durch die dichte Atmosphäre des Saturnmondes Titan schweben werden, um in dessen Äthanol- und Methanseen nach Leben zu suchen, werden schon gebaut.

Alpha Centauri - Gibt es Leben auf Europa
https://youtu.be/OCfrfjfchi8

Titan und Enceladus
https://youtu.be/4u7KQDmwCFM?t=1345
"Ihr Menschen seid schwach und zerbrechlich! Wenn Euer Magen spricht, dann vergesst Ihr Euer Hirn!
Und wenn Euer Hirn spricht, dann vergesst Ihr Euer Herz! Und wenn Euer Herz spricht, dann vergesst Ihr alles!"

grimm

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Mittwoch, 26. Juni 2019, 14:18

Ist das Zeugnis der Bibel mit der Evolution vereinbar – ist die Evolution mit dem Zeugnis der Bibel vereinbar? – Durchaus ist das eine mit dem anderen vereinbar. Das Problem? – Es besteht darin, dass Biblizisten (Biblizismus: »wortwörtliche Auslegung der Bibel von Alpha bis Omega«) einfach nicht begreifen können, dass der liebe Gott die Welt anders geschaffen haben könnte, als es ihr Horizont zu erfassen vermag. Sie merken einfach nicht, dass sie Gott auf diese Weise anthropomorphisieren (menschliche Gestalt und menschliches Handeln auf ihn projizieren): übrigens vornehmlich ein Phänomen religiöser Fundamentalisten! Der Religionsphilosoph Pinkas Lapide bringt es in seinem Buch »Ist die Bibel richtig übersetzt?« auf den Punkt: »Es gibt im Grunde nur zwei Arten des Umganges mit der Bibel: man kann sie wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst. Beides zusammen verträgt sich nur schlecht.«

Die Bibel ist nicht einfach vom Himmel gefallen; Produkt menschlichen Geistes ist sie, für den Gläubigen zugleich auch Ausdruck göttlicher Inspiration: dies aber immer im Kontext des zeitgebundenen Wissens, des zeitgebundenen Weltbildes. Dass den Menschen der Antike ein anderes Wissen, ein anderes Weltbild als heute geeignet hat, ist eigentlich bekannt.

Seit der Mensch ein intellektuelles Wesen ist, reflektiert er immer wieder über den Ursprung und den Sinn des Seins und des Seienden. Die Verfasser der Bibel, sich ein Leben lang mit der Gottesfrage befassend, sind folglich zu der stringenten Erkenntnis gelangt, dass nichts ohne Grund, ohne Urheberschaft entstehen kann: dass es also eine Schöpferkraft, einen Schöpfer geben muss.

Die Genesis kann natürlich nicht wortwörtlich aufgefasst werden, sondern sie muss in ihrer Quintessenz verstanden werden. Wenn wir sie so auffassen, dass alles Seiende Ergebnis eines Schöpfungsaktes ist, sie in ihrer Wortwörtlichkeit als Konstrukt verstehen, dann haben wir das Wesentliche verstanden.

Ich glaube zwar, dass alle Formen des Lebens – auf eine Urform zurückzuführen sind, sich daraus weiterentwickelt haben: dies aber nicht zufällig, sondern in der Gesetzmäßigkeit eines Schöpfungsaktes. So verstehe ich auch die evidenten Argumente der Physikprofessorin Barbara Drossel in dem Video »Christlicher Glaube und Evolutionstheorie – geht das zusammen?« Enttäuscht haben mich manche, schon biblizistische Merkmale aufweisende Argumente des immerhin promovierten Chemikers Borris Schmidtgall. Man fragt sich schon: »Wie kann ein Naturwissenschaftler so argumentieren?!«

Grimm

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Donnerstag, 27. Juni 2019, 10:48

Er begeht den Fehler, von der Wissenschaft eine letztendliche Antwort erhalten zu wollen. Weil er die nicht bekommt, wählt er die Gotteshypothese als letzten Strohhalm.

So funktioniert Wissenschaft aber nicht. Jede Theorie muss damit leben, dass sie eventuell eines Tages durch eine bessere, dem aktuellen Forschungsstand entsprechende Theorie ersetzt wird. Kreationismus und "Intelligent Design" liefern aber keine wissenschaftlichen Hypothesen, sondern sind lediglich ein Glaube. Ihre Prämisse, dass sich bestimmte Eigenschaften des Universums und des Lebens auf der Erde nur durch einen intelligenten Urheber erklären lassen, hat keinerlei Basis in irgendwelchen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
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grimm

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Samstag, 29. Juni 2019, 11:34

Hallo Grubendol,

deine Argumente haben etwas für sich. Die Transzendenz ist nicht beweisbar. Niemand auf Erden weiß, wer und was Gott ist: mag er es auch erahnen. Von Dietrich Bonhoeffer stammt der schöne Satz: »Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.«

Grimm